4. Maike Hohmeier:
Chancen und Risiken einer Spezialisierung – am Beispiel Pharma

  • Marke Hohmeier stellt ihre Arbeit für die Pharmabranche vor
    Marke Hohmeier stellt ihre Arbeit für die Pharmabranche vor

Die Fokussierung auf ein Thema bietet viele Chancen – sowohl für Agenturen als auch für die Designerin oder den Designer. Hat man sich Spezialkenntnisse zu Eigen gemacht, ist es leichter, an Aufträge zu kommen und sich „einen Namen“ zu machen. Aber es gibt auch Schattenseiten. Der Markt der Pharmawerbung zum Beispiel ist in Deutschland sehr übersichtlich. Da kennt man sich auf Agenturseite und weiß um Qualitäten – aber auch um Schwachstellen. Aus mehr als zehnjähriger Berufserfahrung in diesem Bereich kennt Maike Hohmeier Chancen und Risiken, die mit einer Spezialisierung auf den Healthcare-Sektor einhergehen. Erfahrungen, die sich aber auch auf andere Branchen übertragen lassen.

Maike Hohmeier hat Visuelle Kommunikation/Grafikdesign und Illustration an der FH Münster studiert und 1998 ihr Diplom mit Auszeichnung bestanden. Nach einer kurzen Zwischenstation bei PROMOTEX ging es 1999 nach Hamburg. Dort begann Maike als Junior Art Directorin bei Unterweger und Partner/Health Care Communication, wo sie für fast neun Jahre blieb und es bis zur Kreationsleitung und Ausbilderin brachte.

Sie betreute Kunden aus allen Bereichen des Pharmasektors, darunter namhafte wie Baxter, Ciba Vision, Roche Pharma und Roche Diagnostics, Beiersdorf, GSK oder Novartis. 2008 wechselte sie zu Draftfcb und baute dort die Health Care Unit mit auf. Seit kurzem arbeitet Maike als Freelancerin für verschiedene Unternehmen und Agenturen.

www.maike-hohmeier.de

  • 7. Dezember 2009 um 13:12
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    In der Vortragsreihe des Designstammtisches hielt diesmal Maike Hohmeier einen Vortrag über die „Chancen und Risiken einer Spezialisierung – am Beispiel Pharma“. Stattgefunden hat der Designstammtisch wie immer am ersten Montag im Monat und wie bisher auch im A2, ergo am 7. Dezember 2009.

    Wir freuen uns, dass auch diesmal zahlreiche Teilnehmer teilgenommen haben, in der Zahl über 30, und wieder waren etliche neue Gesichter dabei. Offensichtlich scheint sich unser kleiner feiner Zirkel zu etablieren. Sehr erfreut waren wir nicht nur über den guten Vortrag von Maike, sondern auch über die anschließende rege Diskussion. Abschließend hat ein Großteil der Gäste den Abend mit angeregten Gesprächen und anregenden Getränken in der Bar im Sinne eines Stammtisches fortgesetzt.

    Aber im Einzelnen: In der Begrüßung stellten Jakob Maser (Neues Gestalten) und Klaus Kretzer (Gestaltungsbüro) den Stammtisch sowie unsere Xing-Gruppe und unsere Website designforum-muenster.de vor, mit der Bitte, sich hier anzumelden und sich rege im Forum oder im Blog zu betätigen. Daneben haben sie auf unser Programmheft mit den Sammelbildern und der damit verbundenen Verlosung eines Designklassiker-Stuhls hingewiesen. Kommen lohnt sich also im doppelten Sinne.

    Maike Hohmeier, einigen noch aus Studienzeiten an der FH Design Münster in den 90ern bekannt, stellte zunächst die Stationen ihrer Spezialisierung auf Pharmawerbung vor: Diplomarbeit über ein medizinisches Thema (Herpes), erste Anstellung bei Promotex (damals „Hausagentur“ von Wyeth Pharma), dann Umzug nach Hamburg und acht Jahre Anstellung bei Unterweger und Partner. Hier Aufstieg bis hin zur Senior Art Directorin, Creationsleiterin und Ausbilderin. Als quasi alles erreicht war, wechselte sie zu Draftfcb. Dann kam die Krise und ihre ganze Unit wurde „freigesetzt“. Über zehn Jahre in der Branche und nun kein Job.

    Aufgrund der Spezialisierung auf eine spezielle Branche, die zur Zeit etwas schwächelt bzw. sich im Umbruch befindet, ist die Anzahl möglicher Stellen begrenzt, gleichzeitig ist die Konkurrenz geringer als bei normalen Werbeagenturen. Einem Wechsel in eine solche normale Agentur oder einem direkten Auftrag eines normalen Kunden stehen immer wieder auch Vorbehalte entgegen, auch für andere als Pharmaprodukte werben zu können. Trotz des Arguments, dass Werbung, ob Pharma oder andere Produkte, stets gleich funktioniert.

    Man hat aber durch die Spezialisierung auch die Chance auf eigene Aufträge gerade bei kleineren mittelständischen Pharmaunternehmen. Dazu kann man bestehende Kontakte zum Beispiel im Marketing potenzieller Kunden nutzen oder die Unternehmen direkt ansprechen. Aufgrund der Erfahrungen führt man Gespräche auf gleicher Augenhöhe. Jedoch ist es zwingend, um auch Aufträge zu bekommen, mit Textern, die sich auf dem Gebiet auskennen, sowie mit Medizinern an der Seite aufzutreten.

    Eine weitere Chance bietet eine Auffächerung seiner Möglichkeiten. Was kann ich sonst noch bieten? Bei Maike sind das zum Beispiel Illustration, die sie seit dem Studium immer nebenbei betrieb. Oder die eigene Geschäftsidee eines Internetshops für Triathlon-Bedürfnisse, geboren aus ihrer Begeisterung für Sport. Und eine tageweise Freelancer-Tätigkeit bei blau.de.

    Zum Ende ihres unterhaltsam vorgetragenen und mit vielen Bildern unterlegten Vortrags erzählte Maike von den Vorteilen und Risiken auf ihrem Weg in die Selbständigkeit, was gleichzeitig die Überleitung zur einen rege geführten Diskussion sowohl über das Thema des Vortrags als auch über die Vor- und Nachteile selbständig, mit mehreren oder angestellt zu arbeiten. Dabei stellte sich interessanterweise auch heraus, dass der überwiegende Teil der Anwesenden tatsächlich allein arbeitet.

    Der nächste Designstammtisch findet am Montag, den 4. Januar 2010 statt mit einem Vortrag von Matthias Echelmeyer (Druckhaus Lechte Medien, Emsdetten) über Veredelungskonzepte und -techniken. Über zahlreiche Teilnehmer würden wir uns freuen!

  • 8. Dezember 2009 um 13:15
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    Montag Abend hat uns Maike Hohmeier ja anhand Ihres Lebenslaufs erklärt, welche Vor- und Nachteile eine Spezialisierung (in ihrem Fall auf die Pharmabranche) mit sich bringt.

    Betrachtet man sich und seine Karriere – oder besser: seine Lebensplanung – als eine Marke, dann ist es in meinen Augen nur allzu notwendig, sich zu spezialisieren. Das kann eine Spezialisierung in Hinsicht auf Branchen (wie bei Maike), auf Arbeitsweisen, auf die Preisstruktur oder worauf auch immer sein. Ansonsten wird man austauschbar. Das ist bei Produkten so und das ist bei Menschen, die ja letztlich das Produkt „Kopf, Herz, Erfahrung, Leidenschaft, Persönlichkeit und Zeit“, gebündelt als Arbeitskraft einbringen. Und dass man sich spezialisiert schließt ja nicht aus, dass man auch in anderen (Rand)Bereichen tätig ist, solange man sich nicht verzettelt und authentisch bleibt.

    Was mich an dem Pharma-Beispiel aber tatsächlich überrascht hat, ist die Notwendigkeit, mit dem Kunden inhaltlich auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Wir arbeiten bei uns recht viel für Kunden aus dem Maschinenbau und der dazugehörigen Forschung (u.a. Fraunhofer). Da spricht man auch nicht mit „Betriebswirten“, da spricht man mit Ingenieuren, was ähnlich kompliziert sein mag wie das Gespräch mit Naturwissenschaftlern im Fall von Maike. Im Kundengespräch (Workshops, Beratung) arbeiten wir dann mit dem Kunden gemeinsam die USPs heraus. Sobald wir die haben, können wir in der Kommunikation gute Ergebnisse erzielen – und das ohne im tiefen Detail zu verstehen, wie denn die beworbene Technologie tatsächlich funktioniert (außer bei der Texterstellung).

    Hängt es damit zusammen, dass Maschinenbau weniger sensibel ist als der Pharmabereich? Ist es, weil Naturwissenschaftler bzw. Mediziner eine größere Eitelkeit pflegen als Ingenieure und sich daher nur mit „Ihresgleichen“ abgeben und auch nur bei „Ihresgleichen“ eine Augenhöhe empfinden, die für den gegenseitigen Respekt, Achtung und Vertrauen wichtig sind? Oder liegt es einfach an unterschiedlichen Arbeits-, Denk- und Herangehensweisen von Maike und von mir im Job?

  • 9. Dezember 2009 um 13:17
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    Vielleicht muss man auch betrachten, wessen Augenpaare da zu vergleichen sind. Wenn auf Kundenseite eher Ingenieure oder aber auch Betriebswirte das direkte Gegenüber sind, so haben diese meist ein FH-Diplom ebenso wie der Kreative auf unserer Seite – die Augenhöhe stimmt. Wie sähe es aber aus, wenn ein Grafik Designer ohne Studium und ohne Diplom, also ein selbst ernannter, auch wenn er sich Grafik Designer nennen darf, den gleichen Personen gegenübertritt? Ich denke, er würde ebenso weniger ernst genommen wie beim von Maike dargestellten Fall.
    So ist dieses Standesdünkel bei genauer Betrachtung überall zu finden!?

  • 9. Dezember 2009 um 18:17
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    Ich glaube, dass es immer sinnvoll ist, dass man sich etwas besser mit dem Produkt auskennt, wenn man dessen Vorteile herausarbeiten will. Ob man dafür jetzt alles einmal 1-2 Semester Studiert haben muss bezweifle ich.